Pforzheimer Zeitung: Was wollen Sie anders machen als Ihr Vorgänger Jürgen Kurz?

Klaus Mack: Es geht gar nicht so sehr darum, ob ich etwas anders machen will. Ich will mein Credo in den Regionalverband einbringen, nach dem ich schon bisher gearbeitet habe: Menschen zusammenbringen, Defizite analysieren und dadurch die Region voranbringen. Ein Beispiel: In Sachen Tourismus war 2009 die Haltung verbreitet, bei uns im Nordschwarzwald läuft alles schlecht, im Süden ist alles besser. Wir haben damals das touristische Aktionsbündnis in der Region gegründet, haben Schwächen analysiert, Strategien entwickelt. Daraus ist einiges entstanden.Anzeige

PZ: Erklären Sie mal den Lesern, warum man einen Regionalverband braucht – und dann noch eine Wirtschaftsförderungsgesellschaft.

Klaus Mack: Wir sind ein Planungsverband. Wenn man mich manchmal „Chef der Region“ nennt, hört sich das schön an, aber der Regionalverband erfüllt nur eine gesetzliche Aufgabe. Allerdings kann man diese Plattform schon nutzen, um Themen ins Spiel zu bringen. Wir haben den Kultursommer vorangetrieben oder den Klimaschutz mit einem Masterplan. Eben nicht nur die Windkraft, für die wir gesetzlich zuständig sind. Wenn schon alle Landräte und viele Bürgermeister bei unseren Versammlungen zusammenkommen, sollten wir das nutzen, um eine regionale Sicht auf wichtige Themen zu finden. Das will ich fördern.

PZ: Aber nach dem Chef der Region wird von den Fraktionen ja durchaus gerufen. Zum Beispiel beim Thema Breitband. Wenn beim schnellen Internet nichts so richtig voran geht, lautet die Hoffnung, könnte man als Nordschwarzwald die einzelnen Stimmen bündeln und dem Land gegenüber mit größerem Gewicht auftreten.

Klaus Mack: Das haben wir ja gemacht mit unserem Breitbandgipfel im November in Hirsau. Da kann man schon sagen, wir erheben den Finger für die Region. Der Regionalverband vertritt rund 600 000 Einwohner, das ist eine ganz andere Dimension als bei einem einzelnen Bürgermeister, der für vielleicht gerade mal 10.000 Menschen spricht.

PZ: Wie begreifen Sie in diesem Zusammenhang Ihre Rolle?

Klaus Mack: Schon als Netzwerker, als jemand, der Leute zusammenbringt. Der vielleicht bei einem Thema wie der Breitbandversorgung Lücken aufdeckt, wo man als einzelne Kommune nicht weiterkommt. Dann kann man versuchen, mit der Kraft der Region ans Land heranzutreten. So ein Thema war auch der Mobilfunk. Die Verbandsversammlung hat beschlossen, wir müssen die weißen Flecken aufarbeiten und schauen, dass wir wenigstens durchgängig mobil telefonieren können und nicht zwischen Bad Wildbad und Stuttgart vier Mal aus dem Netz fallen.

PZ: Welche Rolle spielt für Sie das Oberzentrum Pforzheim in dieser Region? Und wie sehen Sie das Verhältnis zwischen beiden?

Klaus Mack: Das Oberzentrum hat für mich eine Führungsrolle als unsere größte Stadt, die in die ganze Region ausstrahlt. Ich merke bei Oberbürgermeister Peter Boch, dass das Bewusstsein für die Region jetzt ein ganz anderes ist.

PZ: Wächst da was?

Klaus Mack: Ja. Wir hatten jetzt das Thema Ornamenta in der Regionalversammlung. Ich glaube, das hat es früher nicht gegeben, dass man zuerst mal auch die Region fragt. Noch ganz am Anfang, ehe Details geklärt sind. Das ist der richtige Weg, schon im Vorfeld zu bereden, ob die Region mitmachen will.

PZ: Herr Boch hat längst gelernt, dass er um Pforzheim herum Kommunen mit Bürgermeistern hat, die sehr selbstbewusst sind.

Sonst wären sie ja auch nicht Bürgermeister geworden.

PZ: Pforzheim muss positive Signale aussenden, damit die Stadt ihrer Rolle gerecht wird.

Klaus Mack: Ich habe schon immer gesagt, man kann nicht nur nach seinem eigenen Kirchturm schauen. Das gilt für die kleine Kommune genauso wie für die große Stadt. Wir sind nur als Region stark und müssen viele Aufgaben ohnehin gemeinsam lösen. Das fängt bei den Gewerbeflächen schon an, wo man heute interkommunal arbeiten muss.

PZ: Die Gewerbeflächen wachsen ja eigentlich nur in den Kommunen draußen – zum Beispiel entlang der Autobahn. Da tut sich Pforzheim extrem schwer.

Klaus Mack: Gut, das ist Kommunalpolitik. Dort müssen die Entscheidungen getroffen werden. Aufgabe des Regionalverbands ist es dann, planerische Grundlagen zu ermöglichen, wenn sich die Kommunen einigen. Zum Beispiel den Grünzug zurückzunehmen für das Pforzheimer Kleeblatt.

PZ: Sie hatten zumindest als Bürgermeister Sympathien für ein Outlet-Center in Pforzheim mit seinem touristischen Potenzial. Wie sehen Sie das als Regionalverbandsvorsitzender?

Klaus Mack: Unser Verbandsdirektor Matthias Proske hat ganz klar gesagt, dass es aus heutiger Sicht planerisch so nicht umsetzbar ist. Das war gut, um keine falschen Erwartungen zu wecken. Aus touristischer Sicht wäre so ein Outlet schon ein Plus für die Region, aber es hat Risiken für den bestehenden Einzelhandel. Wir halten uns erst mal zurück und warten ab, ob Pforzheim das will. Erst dann müssen wir schauen, wie man das umsetzen kann.

PZ: Ist das ein Beispiel für Interessenskonflikte, in die Sie mit Ihren verschiedenen Ämtern geraten können?

Klaus Mack: Mit solchen Konflikten hat man jeden Tag zu tun, das ist ganz normal. Aber man muss die Aufgaben klar angehen. Wenn die Diskussionen in Pforzheim abgeschlossen sind, wird es Gutachten geben etwa zu den Folgen für den Verkehr oder für den Handel und dann muss man abwägen.

PZ: Könnte es dazu kommen, dass das Land per Ministerentscheid den Knoten lösen muss?

Klaus Mack: Auch ein Ministerium kann sich nicht über Recht und Gesetz hinwegsetzen. Und für die planerische Grundlage sind wir zuständig. Und da ist der Stand so: Wäre das Outlet näher an der Innenstadt, wäre es weitaus unproblematischer umzusetzen. Am geplanten Standort ist es aber schwierig. Steht man am Ende vor der Frage, ob man es schafft, die Hürde zu überspringen, wird die zuständige Ministerin sicher hilfreich sein. Das wird spannend.

PZ: Wie wichtig sind weiche Faktoren wie Kulturveranstaltungen für die Region?

Klaus Mack: Beim Kultursommer haben wir festgestellt, dass viele Akteure schon vieles machen. Völlig gefehlt hat die Vernetzung. Das wollten CDU und SPD mit ihrem Antrag ändern. Die gemeinsame Plattform hat funktioniert. Wir haben zum Start rund 80 Veranstaltungen. Solche Klammern sind wichtig für eine Region, in der sich ja nicht alle Menschen einfach als Nordschwarzwälder fühlen. In Mühlacker sieht das ganz anders aus als in Alpirsbach. Ich kenne noch Sorgen, dass wir in der Region kein gemeinsames Dach haben – dabei haben wir mit dem Schwarzwald eine der besten Marken der Welt, wenn wir das richtig nutzen.

PZ: Wie schätzen Sie in diesem Zusammenhang die Ornamenta ein?

Klaus Mack: Das ist ein gutes Projekt, um eine regionale Ausstrahlung zu haben.

PZ: Was sind Ihre wichtigsten Ziele für die Region?

Klaus Mack: Das Wichtigste ist, den Regionalplan als Grundlage für unsere Entwicklung auf die Spur zu bringen. Wir merken, dass die Bevölkerung wächst. Die Region ist auch für Zuzüge interessant. Wir müssen Flächen festlegen, wo wir Gewerbe entwickeln wollen und wo Wohnraum schaffen. Bei einer Prognos-Studie haben gerade junge Teilnehmer gesagt, mir ist wichtig, dass ich einen Bauplatz kriege, den ich bezahlen kann, dass ich gute Kinderbetreuung habe, dass ich sicher leben kann und dass mein Arbeitsplatz nicht zu weit weg ist.

PZ: Was haben Sie sich beim Thema Windkraft vorgenommen?

Klaus Mack: Vorgenommen ist gut, erst mal fangen wir wieder bei Null an. Durch den neuen Windatlas haben wir mehr Auswahl. Offen ist jetzt noch die Frage einer 1000-Meter-Abstandsregel zur bestehenden Wohnbebauung. Ohne da Klarheit zu haben, können wir nicht weitermachen.

PZ: Man hat den Eindruck, dass bei der Windenergie alles nebeneinander und hintereinander herläuft. Sie machen Potenzialpläne, Kommunen Flächennutzungspläne und Investoren haben schon konkrete Projekte vor. Kann man das ordnen?

Klaus Mack: So wie es jetzt ist, ist es Mist. Das funktioniert nicht. Die Kommunen stecken in einem Dilemma. Also muss die Region eine Planungsgrundlage schaffen. Wo wir da am Ende stehen, kann ich im Moment nicht sagen. Wir sagen aber, lasst uns deshalb gleich über einen Masterplan Klimaschutz sprechen und schauen, welche regenerativen Energieformen insgesamt möglich sind.

Bad Wildbader Pläne: Wie ist der Stand bei Sessellift oder Baumhäusern am Sommerberg?

Regionalverbandsvorsitzender, Vorsitzender des Naturparks Schwarzwald Mitte/Nord, aber natürlich auch Bad Wildbads Bürgermeister. Wie bekommt Klaus Mack alle seine Ämter unter einen Hut? Dazu sagt er: „Ich war ja in den Gremien bisher schon als Stellvertreter tätig und war dadurch bei fast allen Sitzungen dabei. Natürlich kommt nun ein erhöhter Abstimmungsbedarf hinzu. Damit die Arbeit in Bad Wildbad nicht leidet, werde ich andere Dinge aufgeben. Interessenskonflikte habe ich bisher noch nicht gehabt. Als gewählter Vertreter des Kreistags vertrete ich den Kreis, im Regionalverband vertrete ich die Region. Ich sehe es eher so, dass man sich durch die Vernetzung, wie ich sie habe, die Bälle besser zuspielen kann.“

■ Gerade erst wieder bei der Haushaltsverabschiedung des Gemeinderats haben CDU, Freie Wähler und FDP bei Mack auf den Busch geklopft, ob ihm seine Aufgabe in Bad Wildbad noch groß genug ist. Bleibt er der Kurstadt treu? Mack sagt: „Es gibt für mich in Bad Wildbad noch viele Aufgaben und genug Arbeit. Mit dem Vorsitz des Regionalverbands und des Naturparks habe ich zwei ganz neue Posten übernommen. Ich bin sehr zufrieden mit dem, was ich tue.“

■ Eine aufsehenerregende Idee war ein Sessellift oder eine Gondelbahn als zweite Aufstiegshilfe auf den Sommerberg, um den Verkehr aus der Innenstadt führen. Zum Stand der Dinge sagt er: „Ich glaube, dass wir auf dem Sommerberg eine gesunde Weiterentwicklung brauchen. Ich meine damit kein Tripsdrill oder Ähnliches. Aber nach und nach immer mal wieder ein Projekt zu verwirklichen, ist sinnvoll. Man muss das auch machen, um die touristischen Produkte am Leben zu erhalten. Das muss nicht immer ein Riesenprojekt sein, aber eine Fortentwicklung sollte es schon geben. Wir stoßen verkehrlich an unsere Grenzen. Wir können den Blöcherweg nicht unendlich belasten und da oben ein Parkdeck bauen. Die Lösung muss vom Tal kommen. Darum wollen wir auch die alte Salzhalle hinter dem Bahnhof abbrechen. Dort können wir 100 Parkplätze zur Verfügung stellen. Die zusätzliche Aufstiegshilfe ist ein weiterer Gedanke, der noch nicht konkret ist. Das ist aber wirtschaftlich nicht einfach. Einen Investor dafür gibt es noch nicht. Es gibt Interessenten für den Betrieb, aber wir müssen zunächst die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen klären.“

■ Mit der Hans-Fuld-Hütte gibt es auf dem Sommerberg ein ganz besonderes Juwel. Sie wurde vor einiger Zeit vom Pforzheimer Unternehmer Wolfgang Scheidtweiler erworben. Er möchte sie umgestalten und dort ein naturverträgliches Hotelprojekt, eventuell in Form von Baumhäusern, verwirklichen. Wie ist der Stand? „Wir sind im Gespräch mit Herrn Scheidtweiler und warten im Moment auf seine Plangrundlagen“, sagt Mack, „dann kann es losgehen. Die Stadt steht hinter dem Projekt. Ich hatte vorgeschlagen, in Richtung Baumhäuser zu gehen. Das ist sicherlich nicht ganz einfach, weil sich die Hütte im Wald befindet. Wenn wir eine Planskizze haben, werden wir mit den Behörden reden.“ nic

ZUR PERSON: Klaus Mack

Der Regionalverbandsvorsitzende wurde am 28. April 1973 in Günzburg geboren. Nach dem Abitur und dem Studium zum Diplom-Verwaltungswirt (FH) war er von 1997 bis 1998 Hauptamtsleiter von Enzklösterle, danach dortiger Kurgeschäftsführer und ab Mai 2000 Bürgermeister. Seit 2006 ist er Verwaltungschef von Bad Wildbad, 2014 wurde er wiedergewählt. Er ist verheiratet und hat zwei Töchter. Der stellvertretende Calwer CDU-Kreisvorsitzende leitet den Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord. Beim Gemeindetag Baden-Württemberg ist Mack Vorsitzender des Tourismusausschusses.

Autor: Das Gespräch führten Albert Esslinger-Kiefer, Thomas Satinsky, Magnus Schlecht, Dennis Krivec, Lisa Belle und Alexander Heilemann